Es braucht manchmal nicht viel, um aus einem alten Stahl-Renner etwas besonderes zu machen.
„Stahl und Seele“
Im Internet bin ich über ein altes Colnago Sport gestolpert. Günstig, abgelebt, auch nicht mehr so toll vollständig. Aber ich musste es haben!

Und da war es: Die Basis für etwas, das nicht neu sein will; die Basis für ein Stahlrad mit einer Seele, die weiterfahren will!

Betrachtet man diesen Haufen… Da kann es nicht des Namens wegen gewesen sein! Colnago! Aber in einem Karton lieblos reingeschmissen.
Auf den ersten Blick war es als Fahrrad zu erkennen. Der zweite Blick:

Ja, es ist ein Fahrrad in einem Zustand, der mit „jämmerlich“ noch geadelt wäre. Abgelebt, verbraucht, runtergerockt. Also muss es ein neues Leben bekommen, das „etwas“ wilder ist! Was mach ich nur aus Dir??? Die Decals sind alle in den Fritten, Kratzer sind das durchgehende Motto dieses Rests eines ehemals stolzen Stahlrosses.

Für einen Marken-Fetischisten ist das nun mal nix! Definitiv weniger als NIX!

Aber! Mit etwas Kreativität und Geduld und Farbbewusstsein kann man ahnen, was der goldene Faden dieses Aufbaus werden kann! Nun aber ein kleiner Exkurs!
Was habe ich vor einiger Zeit in einem Baumarkt lesen können, als an einem Regal stand:
„Werkstatt-Chemie“
Was ist das denn??? Stimmt die Chemie zwischen den Mechanikern? Oder wird horazraz heute gekocht, morgen gebraut und übermorgen ein Rad geklaut???
Nein, es war wohl gemeint, dass man Bremsenreiniger, Schmiermittel und Konsorten in diesem regal findet! Was mich nun als Tüftler mit geschundenem Stahlrahmen dazu brachte die Patina des Rads zu erhalten. Und womit macht man das besser, als mit Owatrol? Owatrol konserviert und schützt, so dass der Rost nicht am Stahlrahmen weiter sein schändliches Werk vollziehen kann!
Aber!
Das genannte Wundermittel kostet nicht unerheblich Geld und so habe ich mich eingelesen in die Welt der Sathl-Patina-Konservierung und kam dazu, dass ich nun dieses Wundermittel selbst anrühren kann.
Was braucht´s dazu???

Zu gleichen teieln (fifty/fifty) Terpentinersatz und Leinölfirnis. Das war´s! Kein Vollmond, keine Bluttropfen einer seltenen Krötenart, keine Warzen von 40jährigen, blonden Jungfrauen. An sich total simpel und einfach.
Aber! Teil 2!
Es ist eine furchtbare Stinkerei und wenn´s schon so derbe stinkt.. Sei gewart, werter Anwender! Es ist nicht gesund und auch nicht toll und Leinölfirnis hat so seine Tücken! Alle Lumpen und Pinsel sind von Leinölfirnisresten zu befreien, da sich dieses unbeaufsichtigt selbst entzünden kann und so ein Pinsel, oder Lumpen, dann zu brennen anfangen kann. Wer also von der ortsansässigen Feuerwehr Besuch erhalten will, hält nach der Anwendung dieses Wundermittels keine Ordnung! Aufgepasst also, bitte!!!
Wie wird nun eine Patina gut erhalten?
- Das Rad muss absolut sauber sein
- Der Rost sollte möglichst gut entfernt werden. Dazu nimmt man am besten Schleifschwämme.
- Die Mischung aus Terpentinersatz und Leinölfirnis wird 50:50 gemischt.
- Die Mischung wird dünn aufgetragen. Entweder mit einem gut saugenden Lappen, oder feinen Pinsel.
- Wenn die Mischung aufgetragen ist, lässt man diese über Nacht einwirken und poliert diese dann mit einem Poliertuch ab. Das Ergebnis: leicht geschwärzte Stahlstellen und purer Glanz! Fast wie neu, aber mit jeder Menge Leben und Seele.

Nachdem das nun erlediht ist, geht es an den Aufbau! Irgendwie schwebt mir etwas zwischen Street-Fighter, Bahn-Renner-Ratte vor und das abgeschabbelte Gelb der Decals ergeben das Bild in meinem Kopf!
Und wer mich persönlich kennt… Political Correctness ist bei mir ja nun in der Schule als Fach ausgefallen… Wer den Blog bis hier aufmerksam verfolgt hat, weiß, dass ich es nicht mit Zahlen habe und Namen sind mir zugänlicher, weswegen jedes Rad einen Namen hat und so war Luigi der typische Italiener geboren war! Luigi ist der typische italienische Macho mit locker hängendem Goldkettchen. Bling as Bling can! Der Aufreißer in der Eisdiele umme Ecke…
So… jetzt ist der Plot auf dem Tisch und Luigi im Raum!

Bevor aber der Look stimmt, muss die Funktion stimmen. Vor der Show kommt also erstmal der Steuersatz dran! Gabel raus und dabei alle Kugeln der Lager (klassisch ohne Kugellagerkäfig) auffangen – ein Magnet hilft dabei wunderbar, wenn man zu faul ist, die Kugellagerkugeln auf dem Werkstattboden zu suchen. Alles sauber mit Bremsenreiniger (Werkstatt-Chemie-Essential!!!) reingen und die Lagerschalen auf größere Schäden, wie Riefen, prüfen und mit feinem Schleifpapier ausreiben. Und dann kommt der nächste Schritt, indem alle Kugellagerkugeln mit jeder Menge Fett in die Schalen eingelegt werden. Alles wieder sauber einsetzen und die Gabel wieder fein einschrauben, damit die Fuhre zukünftig fein um die Kurven gezirkelt werden kann.
Jetzt aber endlich zum Bling!

Man ahnt es schon! Sattel sind so ein Thema bei mir. Ich liebe Sättel von Brooks! Sicher nicht für jeden Hintern gemacht, sind sie die ersten 500 Kilometer eine Qual, aber wenn sie ordentlich zugeritten sind, sind sie das Invers Eures Hinterns und unfassbar bequem. Dazu werde ich demnächst noch einen Post veröffentlichen! Rinderpelle und Melkfett…
Für diejenigen, die aber auf moderne 3D-Druck-Ultralight-Sättel stehen… Nö! Brooks sind das lebende Gegenkonzept! Aber eben leider chic und g**l! Punkt! Ende der Werbeunterbrechung! Sollte das ein Repräsentatnt der noblen Marke von der Insel lesen… Ich bin bereit intensiv gesponsert zu werden!
Wie Ihr nun seht, kam schon ein weiteres Teilchen dran. Ein Bullhorn-Lenker. Ich liebe diese fiesen Lenker doch sehr und dann noch die passenden Bremskriffe dran…

Bremsen ist eh nur der Ausdruck einer Hoffnung möglicherweise rechtzeitig so viel Geschwindigkeit abzubauen, damit es nicht gar so arg weh tut. Und diese Griffe geben dieser Hoffnung eine Form! Ob das in Zukunft noch so bleiben soll, wird sich zeigen. Denn ich bin bei Schmerzen doch eher ein Weichei. Wenn auch ein sehr hart gekochtes.
Weiter geht´s nun mit den weiteren Accesoires:

Sauber den Lenker wickeln, dann kommen Kurbel, Kassette, Räder, Pedale, Achsen, und, und, und… Und dann ab damit auf die Piste!

Und das soll´s schon gewesen sein? Schauen wir mal!

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