Weshalb, wieso und warum
Wer bin ich? 
–> Markus
–> Hobby-Radmechaniker
–> 53 Jahre alter Fahrrad-Aficionado und Täglichradler ohne(!) Auto
–> aktuell zehn Räder für die unterschiedlichsten Zwecke
Herzlich willkommen an Euch!
Aus einem Hobby wird eine Webseite und ein Blog mit allen möglichen Randthemen.
Woher kommt Deine Liebe zum Fahrrad?
Wer in den 1970ern – Ölkrisenzeit – aufgewachsen ist, hat irgendwann ein Rad unter den Hintern geklemmt bekommen und fuhr los. So simpel war der Einstieg und der Weg in die Welt des Radfahrens. Irgendwann lief dann im 3-Sender-Fernsehen ein Radrennen mit Eddy Merckx. So ein Rad wollte ich auch haben und wie ich heute feststelle, wäre nicht nur das Rad, sondern auch diese bewundernswerte Kondition und Schmerztolleranz etwas, das ich so gerne hätte. Einstweilen… Es sind die Räder geworden und der Spaß daran sie zu reoparieren, daran zu schrauben und natürlich auch: Sie zu fahren!
Mit der Zeit kann man sich lange geträumte Träume realisieren!
Wer die alten Räder liebt, mag sich daran erinnern, dass man selbst auch gerne so ein Rad haben wollte. Marken – Renner – wie Colnago, Pinarello,…… Das war alles unfassbar unerreichbar, weil unfassbar teuer! So wurde aus dem kleinen Markus, der von solchen Rädern geträumt hat, ein mehr oder minder erwachsener und Auto fahrender Markus, der sich in der Metropolregion Stuttgart an den Unbilden des motorgetriebenen Verkehrs und der damit verbundenen Kosten und Menschen in Autos erfreuen konnte. Irgendwann kam dann ein Job in Tübingen. Gefühlt jeder fährt dort Rad, oder meint zumindest, dass Radfahren absolut gut sei…
Nun gut…
Ich fuhr jeden Tag mit dem Motorrad zur Arbeit, weil ich keine Parkgebühren zahlen wollte und nahe bei der Arbeit parken konnte. Irgendwann kam dann mal die Zeit der Steuererklärung und wie es der Zufall will, kam mir der Karton mit den Tank-Quittungen zwischen die Finger und die Frage in den Sinn:
„Warum verheize ich in einem Jahr so viel Geld für Benzin? Mit dem Geld und diesen Litern hätte ich von Tübingen nach Peking und zurück fahren können und hätte wahrscheinlich noch Geld für ein richtig gutes Fahrrad übrig gehabt!“
So bin ich also in einen Fahrradladen gelaufen und hab mir ein Rad gekauft! No. 1 war also im Stall! Ein 2022er Cube Nuroad Race FE. Keine Schöheit, aber treu, leicht zu warten und ein wenig gravelig.
Irgendwann war dann der Job Vergangenheit, das Leben geht weiter, aber das Rad blieb und so manches mehr hat sich im Leben geändert. Sandra kam in mein Leben und ist nicht nur meine wesentlich bessere Hälfte, sondern auch mit dem Rad-Virus infizierte Mitradlerin, Mitschrauberin und Radrennen-Mitfieberin geworden. Und das Beste: Sie hat kein Auto! Aber das mit dem Radfahren… Viele Jahre zurück fuhr sie mal Rad, aber Ihr ahnt die Geschichte… Nö, Radfahren, nö!
Wie kommt man zum Job? Wie geht man Einkaufen? Wohin verreist man?
Ohne Rad? -> ÖPNV mit Deutschlandticket! Was für ein Spaß! Zweifelsfrei: Kein Spaß!
Im nächsten Job konnte ich meinen Chef dazu bringen Job-Rad anzubieten und so kam ein Long-Tail-Lastenrad und ein Brompton in den Stall. Herzlich willkommen No. 4 und No. 5!
Markus! Zählen ist nicht so Dein Ding! No. 1, No. 4, No. 5!
Zugegeben – bei der Summe an Rädern, die wir haben, ist es bisweilen schwer den Überblick zu bewahren, aber die Reihe lässt sich chronologisch schließen! In der Zeit zwischen No. 1 und No. 4 konnte ich Sandra dazu bewegen doch mal das Radfahren zu probieren, als ich ein altes Stahlrahmenrennrad ergattert habe. So schlimm war die Infektion mit dem Virus Radfahren und Räder gar nicht! Es kam also No. 2 in den Stall! Ein 1970er Vitus Gregor! Klassischer Fahrradbau der 1970er. Und eine Bastelbude in Stahl. Jahre langer Missbrauch des Rades gepaart mit recht herbem mechanischem Umgang haben das Rad so fertig gemacht, dass erstmal eine ordentliche Wartung anstand! Nur wo???
Tja, und so kam es zur Kathedrale des Stahls, der Man-Cave der Ölverehrung, dem Zentrum schwarzen Fetts und dem Altar der Tretlagerverehrung! Meiner Werkstatt! Eigentlich eine Garage in der Tiefgarage. Da Sandra ja kein Auto hat, aber die Garage zur Wohnung gehört, wurde die Garage also kurzerhand zur Werkstatt umgewidmet und all die als Kind geträumten Träume über Fahrräder konnten nun weitergeträumt werden!
Nun war also der Vitus (No. 2) da. Aber alleine radeln ist ja nur der halbe Spaß! So musste also ein Rad für Sandra her! Easy? Nunja, easy!
Und die Suche nach den heiligen Gralen! Gibt es Grale??? Ja, gibt´s! Bin ich felsenfest und unverrückbar davon überzeugt!
Was lässt Dich zu dieser irren Idee kommen?
Nun, es gibt mehrere von Sandra und mir empirisch betriebene Studien, die belegen, dass es tatsächlich mehrere Grale gibt!
Beweis #1:
Sandra ist nun, was ihre körperliche(!) Größe betrifft, nicht so umfangreich beschenkt worden, was zur Konsequenz hat, dass es kein einfaches Unterfangen ist, ein Stahl-Rennrad aus den 1980ern für sie zu finden! Kinderräder waren in den 70ern aus Stahl, aber es waren eben Kinderräder und keine Rennräder! Geht also gar nicht!!! Somit begann also die Jagd nach dem ersten Gral! Ein Damen-Stahl-Rennrad aus den 1980ern!
Warum diese Mühe???
Auch das hat einen Grund! Einen wunderschönen Grund!
Als nun der Vitus da war, habe ich Sandra beim Abendessen von der L´Eroica erzählt und dass es Menschen (manche würden sie wohl als Irre bezeichnen) gibt, die mit alten Stahlrennrädern ein altes „Radrennen“ nachempfinden. Da war er! Der Haken! Aber weit gefehlt, was Ihr denkt!
Der Virus ist im Blut!
Sandra und ich reisen gerne. Ein paar Youtube-Videos später und der erste Gral musste gesucht und gefunden werden. Sandra war also am Haken! Nach einer guten Zeit an Suchen, Ansehen und Verwerfen war also ein „Eroica-taugliches“ Rad gefunden. Das Canelli! -> No. 3
Ok, herzlich willkommen No. 3!
Nunja! Anfänglich war die Freude groß einen kleinen Rahmen aus Stahl gefunden zu haben und die ersten Ausfahrten waren wirklich schön! Aber!!!
Aussagen, wie:
- Das ist gar nicht so schwer!
- Das Rad fährt sich wirklich viel besser als meine Räder in der Kindheit!
Wurden auf der Strecke langsam zurückgezogen und wichen dem Anerkennen der unglaublichen Leistung eines Eddy Merckx! Wenige Gänge! Unterrohrschaltung! Sattel, oder wie nennt sich das unfassbar unbequeme Teil unter dem Hintern!
So kam es, dass also Wartung und Optimierung eines sehr geschundenen Rades anstanden! Was haben wir da nicht an Horror erlebt und gefunden! Angefangen, bei einem Sattel, der wohl vor langer Zeit in einem Sturz b´gebrochen war und irgendwie zusammengedängelt wurde. Ein Tretlager voll mit Sägespähnen, damit man das Mahlen der Lager nicht gehört hat. Kurz gesagt… Jeder französische Pfusch, der ein Stahlrennrad noch irgendwie auf der Straße halten konnte, wurde am Canelli lieblos ausgeführt und stand nun in der Werkstatt.
Klar war nun, dass Aufgeben keine Option ist! Eddy hat auch nie aufgegeben!
Und so wurde Sandra zur fachkundigen Mitschrauberin ohne Furcht vor dreckigen Fingern und hartem Einsatz von Bunsenbrenner und grober Zange!
Während dieser Zeit habe ich parallel am Vitus geschraubt und so einige Träume, was man da noch alles machen kann… Ach, wovon hatte ich nicht als kleiner Junge geträumt? Eine 105er-Gruppe… Ach, was wäre das nicht toll! Und eine zeitgenössische 105er-Gruppe wurde gefunden, nur fand sie nie den Weg an den Vitus, sondern wurde kurzerhand an´s Canelli montiert. Eine komplette Revision des Rades später und mit einem neuen Sattel ging´s dann auf den ersten 50er. Fünfzig Kilometer! Auf einem Stahlrennrad aus den 1980ern! Für einige mag das nach Irrsinn klingen! Blut, Schweiß, Tränen, der Staub der Straße – kurz: Ein Fiebertraum nach einer kalten Herbstfahrt in Sturm, Regen und Wind mit 40 Fieber!
Weit gefehlt! Was war das Erste, dass ich nach der Tour zu hören bekam?
Wann machen wir unsere nächste Runde? Nächstes Wochenende?
Jetzt war also nicht nur der Haken geschluckt, sondern das Fieber ausgebrochen. Morbus Ferrum!
Und weil Morbus Ferrum nur mit noch mehr Stahl zu bekämpfen ist, wurde der nun mit der Krönung des Stahlrads geadelt! Quasi die zuckerkirsche auf der pappigsüßen Sahne!
Brompton C-Line electric 12 Speed!
Wie nun der Schwabe sagen würde: „Gell, do glotschd!!!“
Sandra hat also nun nicht nur ein 1980er Canelli-Sahlrahmen-Rennrad, sondern auch ein 12-Gang Brompton auf Extasy! Britischer Humor auf zwei 16-Zoll-Rädern!
Die Rad-Familie wächst und mit ihr die Erkenntnis, dass es mehr als nur einen Gral gibt!
Wie Du nun ahnst… Ja, da waren Fehler in im Detail. Die 105er am Canelli, die Klickpedale und die Regeln der L´Eroica… Das geht nun so gar nicht! Nicht kontemporär, nicht bis 1985, niente! Nö!
Wer nun also in bella Italia bei der Eroica antreten mag, muss das mit mobilem Kulturgut tun! Gesagt, getan! Da nun unser Plan an der 2026er Eroica in Gaiole teilzunehmen das angemessene Rad voraussetzt, ahnt, dass nun No. 7 und No. 8 – ja, das mit dem Zählen -> ich wieß! – her mussten und der Zufall ist echt ein fieser Schuft! Da waren sie also:

Zwei Bianchi Rekord – Stahl-Partner. Ein kleines und ein großes in Celeste! Und ab da war der Beweis angetreten, dass es mehere Grale geben muss! Find´ das erstmal genau so! Zwei Bianchi, die so gut zu einander passen. Ein kleines und ein großes Bianchi! Pure 70er in Stahl! Aber…
Wer ein Teil nicht kennt: Geht sicher auch ohne! Weg damit!
So muss es wohl gewesen sein, als ein italienischer Fahrradmechaniker vor der Herausforderung einer Campagnolo Super Record Schaltung stand und beim Zerlegen der selben so viele Teile sah, dass er flux entschied nur eine Untermenge davon wieder an Sandras Rad zu montieren. Dabei sah das Rad doch so gut aus! Ja, im Internet sehen viele Dinge erstmal gut aus, aber sind sie bei Werkstatt-LED-Licht betrachtet nicht! Ein fieses kleines Kunststoffteil in der Schaltung fehlte und war nirgendwo zu finden. Viel Bastel später und eine Fahrt zur Pilgerstätte der Teilesucher später funktioniert die Schaltung nun wieder so, wie die Altforderen in Italien dachten, dass diese Schaltung zu funktionieren habe. Oder kurz: Sehr gut!
Beweis #2:
Einer der Grale ist also eine Campagnolo Super Record Schaltungsbuchse aus reudigem, italienschem 70er-Jahre Kunststoff! Basta!
Ich muss Euch ja nun nicht beschreiben, wie wir uns als Indiana Jane und John gefühlt haben, als wir dieses Teil in Händen hielten und es schlussendlich in die Schaltung eingebaut haben und sie so unfassbar schön geschaltet hat!
Uns war klar:
Es ist nicht nur der Weg mit den alten Rädern.
Sondern auch der Weg zu einem alten Rad zählt!


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