So sang ein altvorderer Markus 1982 als die neue Deutsche Welle über Deutschland hinwegschwappte. Der Preis ist bewusst überzeichnet, denn 1982 lag der reale Durchnittspreis laut ADAC bei etwa 1,40 DM pro Liter.
Eine hinausgesungene, humorvolle Übertreibung eines „Horrorpreises“, den nun viele, die in ihrem persönlichen Mobilitätskonzept das Auto wählen, an der Tankstelle geschockt berappen müssen.
Was können wir nun tun?
Eine einfache, bequeme Patentlösung gibt es nicht!
Es wird uns nichts geschenkt und es wird kein Wunder kommen.
Als 100%-Radler möchte ich die Einleitung zunächst aufgreifen und zu dem Schluss kommen, dass jeder selbst zunächst sein persönliches Mobilitätskonzept wählt und es daher jedem überlassen ist, ob man an der Benzinpreis-Rally teilnehmen möchte, oder eben auch nicht. Sicherlich hat nicht jeder im hiesigen ländlichen Raum, in dem der ÖPNV unbrauchbar ist, die ganz freie Wahl der Mittel der persönlichen Mobilität, aber viele haben diese und gerade diese können frei wählen und dürfen dies auch.
So lange Bequemlichkeit die Wahl der persönlichen Mobilität bestimmt, stelle ich fest, das Bequemlichkeit auch teuer sein darf! Oder ist gerade automobile Mobilität zu einem Statussymbol verkommen?
Ich möchte hervorheben, dass es für mich bereits bequem ist, dass ich selbst meinen persönlichen Mobilitätsmix bestimmen kann und dieser nicht durch Dritte gelenkt, oder gar bestimmt wird. Ich habe mich bewusst dazu entschieden Rad zu fahren und zumindest in diesem Bereich wenig bis gar nicht durch die Benzinpreise beeinflusst zu sein, wenn man die steigenden Kosten für den Spritpreisanteil bei Ersatzteilen, oder ähnlichem außer Acht lässt.
Nehme ich meinen persönlichen Mobilitätsmix, so besteht dieser zu gut und gerne 80 % aus Fahrten mit dem Rad in einem Umkreis bis etwa 30 km und den 20 % ÖPNV, die ich zu 95 % mit dem Deutschlandticket bestreite. Somit schlagen zunächst die 63,– € pro Monat zu Buche und wir behalten diesen für mich als Bequemlichkeitsinvestituion verbuchten Betrag im Kopf. Jeder mag nun im Geiste seine persönlichen Mobilitätskosten mitrechnen, da ich die basale Mobilität nicht vorgeben und neunmalklug belehrend diktieren mag, sondern lediglich ein Beispiel sein möchte.
Rechnen wir mal nicht mit dem spitzen Bleistift, sondern inkludieren meine persönliche Bequemlichkeit und auch den Luxus intensiver Fahrradliebe, so kommen pro Monat nochmals bis zu 200,– € Kosten für die Räder und Ausstattung hinzu. Wir kommen also auf nicht unerhebliche Kosten von 756,– € für das Deutschlandticket plus 2.400,– € Kosten für Räder, Teile und Ausstattung. Sind wir also bei 3.156,– € Mobilitätsmix-Kosten für mich als 100%-Radler pro Jahr. Kein Pappenstiel und auch nicht günstig! In wessen Kopf nun für den automobilzentrierten Mobilitätsmix eine größere Zahl steht, ist natürlich immer im Warmen und Trockenen unterwegs, hat keinen Gegenwind und ist möglicherweise häufiger erkältet und weniger fit (außer man rechnet noch das Gym mit in die Kosten ein).
Noch ist kein Umweltgedanke gedacht, noch sind Oportunitäten, wie Stauvermeidung nicht aus dem Hut gezaubert, aber ich möchte behaupten, dass meine Kosten (obschon sehr hoch gegriffen) unter den Kosten vieler Leserinnen und Leser dieses Artikels liegen, wenn diese automobil unterwegs sind.
Natürlich ersetze ich die Annehmlichkeiten einer automobilen Klimaanlage im Winter durch absurd teure Klamotten. Natürlich ersetze ich die Segnung einer kühlen Brise der Klimaanlage im Sommer durch ein Eis auf dem Weg, oder einen Besuch im Biergarten. Ein hinkender, aber praktizierter Vergleich, denn das Radfahren bringt vieles mit sich, das mir als Bequemlichkeit fehlen würde, würde ich mit dem Auto unterwegs sein. Mal ganz davon abgesehen, dass ich weder Parkgebühren, noch Steuern und Versicherungen zahle, während ein Auto laut einer Studie von Greenpeace zufolge, lediglich zu 4% des Tages genutzt wird. Für 43 Minuten am Tag so viel Geld zu bezahlen – das wäre wahrer Luxus für mich!
Ich gestehe aber auch, dass ich natürlich in unserer gehetzten Zeit weitaus mehr Zeit für Mobilität aufbringen muss, als es mir lieb ist, aber meine Gesundheit, die Umwelt, der stauverstopfte Straßenverkehr, danken es mir. Einiges davon wird nun doch den meisten rechtschaffen egal sein, weswegen ich nach den Triebfedern für eine Mobilitätswende suche, die als low hanging fruits jedem zugänglich sind. Gesundheit und Kosten sind da für mich sicherlich sehr naheliegend. Käme nun etwas hinzu, das ein Killer-Argument für das Rad ist, so ist/wäre die Mobilitätswende ohne Schrecken schneller zu vollziehen.
Was sind zunächst gute Argumente, bevor es Killer-Argumente bräuchte:
- Gewinn an Lebensqualität – In Tübingen bin ich, wie in der Vielzahl an Städten mit dem Rad signifikant schneller innerstädtisch unterwegs und fahre oft im Grünen
- Kostenersparnis – Je nach gewählter Ausstattung und Kosten für sekundäre Fortbewegungsmittel (ÖPNV,…)
Nehme ich ein kleines Auto und meine 15.000 km so komme ich auf etwa 4.500 – 5.500 € pro Jahr und spare somit zwischen 1344 und 2.344 € pro Jahr und schon ist ein sehr guter Urlaub mit dem Rad bezahlt! - CO2-Einsparung – Im vergangen Jahr bin ich knapp 15.000 km auf dem Rad unterwegs gewesen, was je nach Berechnung zwischen 1,7 t bis 2,1 t CO2-Einsparung darstellen
Und nun zum Killer-Argument, ohne, dass die Mobilitätswende gefördert wird: Mein innerstädtischer Kilometer mit dem Rad liegt im Schnitt (Ø 15,3 km/h) bei 3,9 min/km und 0,05€ während der km mit dem Auto (Ø 24,1 km/h) bei 2,5 min/km zu 0,40 – 0,70 € liegt und wenn ich den schlauen Spruch nun aus dem Hut zaubere, dass nicht immer Zeit gleich Geld ist, gewinne ich in der mehr gebrauchten Zeit zu weniger Kosten Lebensqualität!
Ist diese Betrachtung nun der Schalter, der das Umdenken in Bewegung setzen wird? Nein!
Was würde diesen Schalter zum Kippen bringen? Eine tatsächliche, staatliche Unterstützung, in der bei der Pendlerpauschale nicht der Bequeme, sondern der Umweltbewusste gefördert wird, oder darf ich die These in den Raum stellen, dass der Staat durch die Pendlerpauschale sich selbst alimentiert, weil er bei Steuern auf Sprit überproportional profitiert und Übergewinnsteuern nicht in Betracht zieht?
Wäre nicht auch eine Harmonisierung der Zeitverbräuche für Mobilität im Wettbewerb Rad/ÖPNV vs. Auto ein erstrebenswertes Ziel? Durchgängige Radwege, auf denen zügig gefahren werden kann verbunden mit einer höherfrequenten Taktung des ÖPNV (zu attraktiven Preisen – ohne es Subvention zu nennen) im Zusammenspiel ließen die Vorteile eines staugebremsten Automobilverkehrs schrumpfen und Infrastrukturkosten für Straßen sinken. Alleine schon dadurch, dass weniger Menschen alleine in einem Auto fahrend Staus reduzieren würden, wenn der alternative Mobilitätsmix sexier wäre?
Wie die Einleitung bereits sagte… Wunder wird es nicht geben und meine dürren Argumente wohl nicht reichen, aber für mich reicht´s.

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