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Karfreitag und die Materialforschung arbeitet für Euch – liebe Leserinnen und Leser – auf Hochtouren. Wekstattchemie und schwarze Magie! Der zweite Teil zum Thema Kettenwachs… |
Erinnert ihr euch noch an die letzte Wachs-Aktion? Wir haben Kerzen in Töpfe geworfen, sie auf der mobilen Herdplatte in der Werkstatt geschmolzen und unsere Ketten darin gebadet. Ein herrlicher Anblick (und ein Duft, der zumindest draußen niemanden gestört hätte).
Aber mal ehrlich: Wer hat schon die Muße, jedes Mal die mobile Platte anzuwerfen und das Wachs-Fondue zu starten, nur weil man mal kurz durch einen Regenschauer gefahren ist? Den Topfinhalt jedes Mal wieder zu verflüssigen, dauert länger als die eigentliche Tour.
Deshalb gehen wir heute einen Schritt weiter. Wir verwandeln die „Kerzen-Magie“ in ein praktisches Flüssigwachs für die schnelle Nummer zwischendurch – und wir pimpen es mit den Stoffen, aus denen Rennfahrer-Träume sind.

Das Rezept: Die „Dark Matter“-Mischung
Wir nehmen das, was wir im ersten Teil mühsam im Topf angerührt haben, und machen es mobil. Diesmal kommt das volle Programm rein, damit die Kette nicht nur sauber bleibt, sondern auch flüstert wie ein Ninja auf Samtpfoten.
Du brauchst für 125 – 150 ml:
25 bis 30 Gramm Kerzenwachs (Paraphin).
PTFE-Pulver (Teflon): Das sorgt für die extreme Gleitfähigkeit (der „Flutsch-Faktor“).
Graphit-Pulver: Das Geheimnis für extreme Druckbeständigkeit (und der Grund, warum die Mischung so schön „technisch-grau“ wird).
100 ml Terpentinersatz: Der Allrounder aus dem Baumarkt, der alles in Lösung bringt.
Ein kleines Fläschchen: Eine alte Tropfflasche (ca. 125 ml bis 150 ml) ist perfekt und eine alte Mutter, die wir in die Flasche geben, um später, vor dem Gebrauch der schwarzen Magie, alles gut durchschütteln zu können.

Die Zubereitung
Schnippelstunde: Schnippel oder kratz dir die 25 bis 30 Gramm von deinem festen Kerzenwachs-Block ab. Je feiner die Flocken, desto schneller löst es sich auf.

Verwende ein altes Marmeladenglas auf der Herdplatte, die Du moderat warm werden lässt, um das Wachs zu schmelzen.
Die Pulver-Party: Gib je zwei Messerspitzen (oder nach Gefühl ein bisschen mehr) PTFE und Graphit dazu. Vorsicht: Graphit ist wie Konfetti – einmal verschüttet, hast du es noch in drei Jahren an den unmöglichsten Stellen. Verrühre die warme Miscgung gut.
Die „Geheimzutat“: Füll das Ganze mit den 100 ml Terpentinersatz auf. Verrühre nochmals alles gut und homogen.
Der Bartender-Move: Deckel drauf und schütteln! Hab ein bisschen Geduld – der Terpentinersatz braucht einen Moment, um den Mix aus Wachs, PTFE und Graphit in eine homogene Wunderwaffe zu verwandeln.
Anwendung: Tropfen, Warten, Losfliegen
Nach der Fahrt kurz den groben Dreck mit einem Lappen von der Kette wischen. Dann das „flüssige Black Magic“ auf die Glieder tröpfeln.
WICHTIG: Terpentinersatz ist kein Sprinter, sondern ein Langstreckenläufer. Er verdunstet langsamer als Benzin. Das ist super, weil das Wachs inklusive PTFE und Graphit so tief in die Bolzen und Kettenröllchen kriechen kann, aber es bedeutet auch: Über Nacht stehen lassen ist Pflicht! Wer sofort losfährt, verteilt seine High-Tech-Mischung dekorativ auf der Felge, Wade und Hosenbein.
Fazit
Heißwachsen bleibt das große Wellness-Event für dein Bike und die Kette. Aber mit diesem DIY-Flüssigwachs, veredelt mit PTFE und Graphit, bleibst Du im Alltag flexibel und verdammt schnell. Es riecht nach echter Werkstatt, hält die Waden sauber und den Antrieb lautlos.
Die Wade bleibt wirklich sauber (auch wenn die Mischung jetzt grau ist!), die Kette flüstert – was will man mehr?
Sicherheitshinweis
Terpentinersatz mag frische Luft. Mix deine Zaubermischung also am besten bei offenem Fenster oder gleich in der Garage. Und pass auf deine Klamotten auf: Graphit ist hartnäckiger als jede Zeugin Jehovas an der Haustür!


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